3/17/2010

und nicht vergessen

...ein paar Photos aus dem Museum, aus dem ich geflohen bin. Das ist zwar nur die Dekoration des Gift-Shops, aber dekorativ allemal.

und nochmal: japan

Diesmal ein Zen-Tempel in Dazaifu.Das war sehr hübsch.

weiter durch japan

Diesmal im Programm: Unser "weiter" Halbtagesausflug, der - sehr zum allgemeinen Verdruss - in ein Museum hätte führen sollen. Glücklicherweise war ein - diesmal alter und außergewöhnlicher - Tempel mit Rolltreppen an den Museumskomplex angeschlossen, so dass ich die Flucht ergreifen konnte. Voila: Dazaifu-Haupttempel inklusive (oder eigentlich ausschließlich...) überaus putziger Votiv-Tafeln, Votiv-Zetteln und natürlich auch Votiv-Kürbissen...


Und ein bunter Vorhang:

Und natürlich Blüten:


japan

Einige Photos aus meinen 84 Stunden in Japan.
Die Bilder hier stammen von einem (vermutlich vollkommen durchschnittlich-unaußergewöhnlichen) Tempel, der sich nun einmal zufälligerweise neben unserem Konferenzort befand (und sich somit als Fluchtort vor den 100 Vorträgen in drei Tagen anbot). Da ich ganz klug das Hinweisschild mitphotographiert habe, kann ich auch erwähnen, dass der Tempel "Sofukuji-ji" heißt.



11/04/2009

nächtliche techno-ruhestörung

Das nächste Mal ziehe ich mit drei Orang-Utans zusammen. Die haaren sicher auch nicht mehr als meine Mitbewohner und mögen nämlich Ruhe. Und sterben langsam und lautlos aus.

5/03/2009

prozessionen, pomp und dudelsäcke

Hier nun (in umgekehrter zeitlicher Reihenfolge) Photos von der armenischen Prozession am Karsamstag von der St. Jakobskathedrale zur Grabeskirche (mit echter Dudelsackmusik) und von einer weitaus weniger imposanten Veranstaltung, irgendein Malteserritterprozessiönchen am katholischen Ostersonntag (die Herren mit den lustigen Federn).







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4/18/2009

frohe ostern aus der grabeskirche

Heute durften wir dem Wunder des Heiligen Feuers auf der Empore der armenischen Galerie der Grabeskirche beiwohnen, eine längere Beschreibung wird folgen. Nur so viel: Es war - ohne dass unmittelbar etwas passiert wäre - wahrscheinlich mein potentiell gefährlichster Tag in Nahost, und fürwahr der anstrengendste. Aber dazu bald mehr. Vorerst: Frohe Ostern nun auch den Orthodoxen.

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4/17/2009

Jerusalemer Kleinfunde

Einige Hinweisregeln für korrektes Auftreten in der armenischen Kathedrale:


Memorialstätten in der jüdischen Fußgängerzone:


Mein revolutionärer Supermarkt:

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Armenische Füße

Frohe Ostern aus Jerusalem. Ich bin hier seit einer Woche - auf einer Exkursion von Oxford aus, die wirklich sehr gut ist, da wir viele Orte sehen, die ich zwar schon kenne, dort aber dann in Bereiche gehen dürfen, die dem normalen Touristen versperrt sind. Da ist zum Beispiel der Felsendom und die al-Aqsa Moschee, die armenische Galerie in der Grabeskirche (von wo aus wir morgen auch das Entzünden des Heiligen Feuers und eventuelle Schlägereien zwischen Armeniern und Griechen unten im Kirchenraum aus sicherer Entfernung sehen werden) und zahlreiche Osterliturgien. Ich werde in den nächsten Tagen einige Bilder online stellen und vielleicht auch ein paar Zeilen schreiben, u.U. wird das nicht ganz in chronologischer Reihenfolge sein. Hier jedenfalls ein paar Eindrücke von der armenischen Fußwaschungsliturgie am gestrigen orthodoxen Gründonnerstag aus der Kathedrale St. James. Der sultanesk gekleidete dicke Mann ist übrigens nicht der Patriarch, selbiger liegt seit Jahren krank darnieder.







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2/02/2009

weltfrieden im supermarkt

Vor ein paar Tagen bei einer großen Podiumsdiskussion in SOAS mit Tariq Ramadhan ("un petit Le Pen arabe") und Karen Armstrong als prominenten Diskutanten. Ghazza, Israelboykott, globaler "friedlicher" Widerstand und was man sich sonst noch wünscht.

Ich finde ja das Vorgehen Israels in Ghaza auch schrecklich, doch diese Diskussion war schon sehr einseitig. Als Dritte war noch eine Salma Yaqoub geladen, Stadträtin in Birmingham, deren Aussagen ziemlich radikal waren (israel. Produkte im Supermarkt auf den Boden werfen etc...), auch Tariq Ramadhan war sehr polemisch und schrie und kreischte vom Weltfrieden und Völkerrechtsverletzungen die ganze Zeit wie ein böser Mullah im Iran...


Karen Armstrong kann man leider nur noch "dumm" nennen. Sie ist hier in England sehr berühmt. Eine exaltierte ehemalige katholische Nonne, die mit zweifelhaftem Erfolg versucht hat, Religionswissenschaft zu studieren, und deren Doktorarbeit (genauso wie die erste Fassung Tariq Ramadhas Arbeit über seinen Großvater Hassan al-Banna, den Gründer der Muslimbrüder) so oft abgelehnt wurde, dass sie es aufgegeben hat und lieber erfolgreiche Bücher schreibt. Es ist schade zu sehen, wie solche Pseudo-Autoritäten (gut, dass wir in Deutschland Peter Scholl-Latour und Konsorten haben) windige Bücher schreiben, am besten noch drei Stück pro Jahr, und Otto Normalverbraucher und Lieschen Müller das brav kaufen und diese dummen Menschen noch reicher machen. Ihr Vortrag ging über eine von ihr ins Leben gerufene globale "Charter for Compassion". Nach ihrem unerträglichen Gelabere hätte ich am liebsten vor lauter Compassion einen Baum umarmt.

Dazu noch drei ultraorthodoxe Rabbis im Publikum, die freilich hochgradig antizionistisch eingestellt waren, ziemlich sicher den Staat Israel nicht anerkennen, und damit die Diskussion nicht gerade objektiver gemacht haben. Die dreimal gestellte Frage, ob man nicht auch al-Hamâs kritisch sehen sollte, wurde - wenn überhaupt darauf eingegangen wurde (zweimal wurde sie nämlich einfach übergangen) - lediglich damit beantwortet, dass sie demokratisch gewählt sind mit 70% der Stimmen. Ich weiß die Wahlergebnisse nicht, im Internet finde ich jedoch nur die Zahl 44%. Wie auch immer, dass sie 2007 Ghazza gewaltsam unter ihre Kontrolle gebracht haben, war offensichtlich vergessen. Allenthalben Vergleiche von Israel mit südafrikanischer Apartheid und natürlich den Nationalsozialisten.

Hier in England bildet sich langsam, zumindest stellt es sich mir so dar, die Meinung, dass Israels "Bonus" mit dem Totschlagargument (huch, vielleicht die falsche Wortwahl) "Holocaust" aufgebraucht ist. Insofern hätte ich mir gerne bei der Podiumsdiskussion die Frage erlaubt, ob folgender Vergleich nicht angebracht wäre: Man kann sicherlich konstatieren, dass PLO und al-Fatah großflächig versagt haben. Die Milliarden, die von Amerika und EU dorthin geflossen sind, sind nur tröpfchenweise bei den notleidenden Menschen angekommen, die folglich an ihren politischen Organisationen/Parteien ordentlich gezweifelt haben. Eine neue Bewegung, al-Hamâs kommt und tut genau das, was getan werden muss. Sie bauen Kindergärten, Schulen, Krankenhäuser, Altenheime und geben als Gratisbeigabe noch eine Verstärkung des Feindbildes von außen, Israel, hinzu. Wer ein schlauer Palästinenser ist, sieht, dass es auf einmal eine Partei gibt, die tatsächlich etwas für die Menschen tut, und wählt al-Hamâs. Wer ein dummer Palästinenser ist, tut genauso aus denselben Gründen und weiß, dass er, sein Umfeld, sein Land kein Quäntchen Schuld trägt an all der Misere, sondern fokussiert den Feind von außen. Soweit die Situation in den letzten zehn Jahren. Ende der Zwanziger Jahre, Deutschland, eine Partei, die etwas für ein Volk tut, ein Feindbild, diesmal von innen, dramatisch hohe Wahlerfolge (und damit meine ich die "legalen" Wahlerfolge in den drei Jahren vor der Machtergreifung). Fehlt der Vergleichspunkt? Ich bin mir weiß-Gott nicht sicher.

Aber natürlich habe ich mich nicht getraut, das zu fragen. Erstens traute ich sicherlich meiner "allmählichen Verfertigung der Gedanken beim Reden" nicht ganz, und zweites hätte ich dann noch unbeschadet aus dem Saal mit etwa 350 begeisterten Palästina-Anhängern und noch mal 50 im Foyer herausfinden müssen.

Vorhang zu. Wir sind betroffen. Vielleicht sollten wir alle öfter ein paar Bäume umarmen.

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die neuesten veränderungen

Seit drei Wochen bin ich nun von Boston nach London übergesiedelt. Das Klima bekommt mir sehr viel besser. Der Aufenthalt in Harvard war sehr schön und arbeitsam, aber der letzte Monat (mit einer größeren Reise nach Montréal und New York) war etwas überschattet davon, dass ich ziemlich heftig krank geworden bin. Abends Fieber, nächtliches Patschnass-Schwitzen, begleitet von zahlreichen Nebenerscheinungen, von Weihnachten bis Silvester Halsschmerzen in bisher nie gefühlten Dimensionen, Gliederschmerzen so stark, dass ich einen Tag nicht gehen konnte, und andere lustige Begleiterscheinungen. Ich habe meine sehr teure Krankenversicherung in Harvard noch ganz ausgereizt und wurde auf ungefähr alle Krankheiten, die auch nur im Entferntesten infrage kommen könnten, getestet. Alles negativ. Freilich ist es angenehm zu wissen, was man alles nicht hat, aber trotzdem bleibt ein flaues Gefühl im Magen, wenn man nicht genau weiß, was man wirklich hatte. Ich vermute, es hatte auch etwas mit meiner Heizsituation zu tun, denn in meinem Zimmer in Boston funktionierte die Heizung nicht – und bei der Isolierung der Fenster machte es eigentlich keinen Unterschied, ob letzteres offen oder geschlossen war. Bei -20°C Außentemperatur fröstelte ich drinnen mit 5-8°C. Brrrr.
Eine weitere nur peripher interessante Neuerung ist der Haarschnitt. An einem schönen Sommertag 2008 entschied ich, mir einmal die Haare wachsen zu lassen. Mehr als ein halbes Jahr später war das Ergebnis immer nur noch peinlich. Angeblich wachsen Haare etwa 1cm pro Monat, so erinnere ich mich, das einmal von meiner Friseuse gehört zu haben. Meine Haare hingegen würden niemals ein Wettrennen gewinnen, einfach enervierend langsam. Deswegen griff ich zur bewährten Schere und habe das Debakel abgeschnitten und das Wagnis der längeren Haare ein für alle mal aufgegeben. Da fielen die Locken. Wenn ich denn welche hätte.

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12/23/2008

offizieller testbericht: busfahrten im vergleich

Hohoho, es weihnachtet sehr. Mein diesjähriges Fest wird das erste weit von zuhause sein, denn seit gestern bis noch zum 2. Januar bin ich in Montréal. Gestern also die Busfahrt mit den berühmt-berüchtigten Greyhound-Bussen.
Bekanntlich fahre ich sehr gerne in Überlandbussen, Kindheitserinnerungen kommen hoch. Doch, wenn ich mich erinnere, die letzte lange Busfahrt war von Antiochia nach Konya und von dort nach İstanbul, anno 2005, lange ist’s her. Doch ziehen wir den Vergleich. Ist Busfahren in der Türkei oder in den Vereinigten Staaten angenehmer?

a) Der Bus
Amerika: Ich überlege und überlege. Doch ich kann mich nicht erinnern, jemals in so einem alten Bus gesessen zu haben. Vielleicht waren manche syrischen Vehikel verschlissener, aber älter? Nein. Die Syrer kaufen alte deutsche Reisebusse. Was aber machen die Amerikaner? Alte syrische Busse kaufen? Wohl kaum.
Türkei: Die Überlandbusse sehen so aus, als ob man noch die Schutzverpackung von den Sitzen ziehen müsste, alles glänzt. Über Geschmack bezüglich der Wurzelholzarmlehnen kann man sich streiten, aber insgesamt kann man sagen, dass vielleicht Deutschland gebrauchte türkische Busse kaufen sollte, um sie dann an die Syrier und die dann an die Amerikaner... und jeder wäre glücklich.

b) 30 Minuten nach der festgesetzten Abfahrtszeit
Türkei: Wir sind auf der Autobahn. Einer der mindestens zwei Busbegleiter geht mit einer riesengroßen Flasche Eau de Cologne herum und bespritzt die Gäste. Protest unmöglich. Manchmal ist das auch gut so.
Amerika: Allmählich sind wir alle an Bord und der Spaß kann los gehen. Wir fahren aus der Busgarage aus.

c) 60 Minuten nach der festgesetzten Abfahrtszeit
Amerika: Wir befinden uns jetzt auf der richtigen Straße. Leider hatte sich der Busfahrer beim Ausfahren aus dem Busbahnhof in Boston verfahren. Vielleicht ist es sein erster Tag.
Türkei: Der Busfahrer lächelt, erstens, weil er auf der richtigen Straße ist, und zweitens, weil er wüsste, dass er sich nicht einmal an seinem ersten Tag solch einen Fauxpas erlauben dürfte. Die Busbegleiter gehen herum und verteilen Cola und kleine Sandwichs mit Aufklebern der Busfirma auf der Verpackung.

d) Der erste Zwischenstopp
Amerika: Wir kommen bei einem kleinen Flughafen außerhalb Bostons an. Aus dem voll besetzten Bus steigen drei Passagiere aus. Und zehn ein. Wer braucht schon Mathematik, wenn sieben neue Passagiere jetzt eben im Mittelgang zwischen ihren Taschen stehen. Sie sind sowieso dankbar, da sie ja bei etwa -10°C eine Stunde draußen auf diesen Bus gewartet hatten. Wer will da noch einen Sitzplatz. Die Tickets von Boston nach Montréal kosten schließlich auch nur 183$.
Türkei: Kurz vor der ersten Raststätte, wo jeder Toiletten, Shop und Cafeteria benutzen darf und kann, sammeln die Busbegleiter den Müll der leckeren Sandwichs ein. Der Fahrer lächelt, er ist fünf Minuten schneller als der Fahrplan.

e) Der zweite Zwischenstopp
Amerika: Alle sind ein bisschen verwundert. Nicht nur, dass wir uns dreißig Minuten in Boston verfahren haben, nein, der Busfahrer hat nun auch den zweiten Stopp vergessen. So was passiert eben. Der zweite Stopp ist nun also eigentlich der dritte. Wir wechseln den Busfahrer. Vermutlich hatte der erste einen Nervenzusammenbruch. Morgen wird er die Busfirma verklagen. Niemand traut sich wirklich auszusteigen, denn man kommt nur dann wieder in den Bus rein, wenn man eine re-bordig-card bekommt. Und wer weiß. Bei all diesem Tohuwabohu. Außerdem, was will man schon in Montpelier/Vermont. Naja. Vielleicht eine Schneeballschlacht.
Türkei: Kein Unterschied zum ersten Stopp festzustellen. Es ist vielleicht etwas beunruhigend, dass die mitreisenden Großmütter, die einen beachtlichen Teil der Reisegesellschaft stellen, bei jedem Halt etwa sieben Tonnen Süßigkeiten kaufen. Aber unten im Bus ist viel Platz dafür.


f) Der dritte Zwischenstopp

Amerika: Kein Unterschied zum zweiten/dritten Stopp festzustellen. Die Reihen lichten sich etwas. Jeder hat mittlerweile einen Sitzplatz, der neue Busfahrer pöbelt grundlos einzelne Mitfahrer an und denkt, er sei lustig, während ein anderer Fahrgast feststellt, dass sein Laptop gestohlen wurde. Da die Stopps immer länger dauern als geplant, ist die Verspätung mittlerweile auf neunzig Minuten angewachsen.
Türkei: Der Busfahrer lächelt, weil er mittlerweile dreißig Minuten schneller denn sein Fahrplan ist. Und nicht nur deswegen, sondern, weil wir nun seinen Lieblingsrastplatz erreichen. Lange Pause. Hier kann man nämlich harten Alkohol in Mengen kaufen. Oder Beten, einen wunderbaren Betsaal gibt es an der Raststätte nämlich auch. Und so teilen sich die Mengen, die Großmütterchen denken nicht nur an ihre Enkelkinder, sondern auch an ihre Ehemänner und kaufen Schnapps was das Zeug hält, während der Busfahrer diese Aufgabe an die beiden Busbegleiter delegiert und selbst das Abendgebet vollzieht. Allahu akbar.

g) Die Ankunft
Türkei: Fazit – pünktlich, bequem, zuverlässig. Ist das nicht furchtbar langweilig?
Amerika: Fazit – endlich! Eines der letzten Abenteuer der Menschheit. Das, was unsere sinnentleerte Gesellschaft benötigt: Menschliche Nähe bis zum Äußersten, Wärme, Kälte, Polsterfedern im Rücken, Risiko, Spontaneität. So soll’s sein.